„Wag es nicht, mir den Rücken zuzudrehen, du Undankbare!“ brüllte Brigitte Hoffmann und griff nach dem Schneidebrett, das auf dem Tisch lag.

In diesem Augenblick klingelte es an der Tür. Scharf, hartnäckig, unüberhörbar.

Alle drei erstarrten. Dann schellte es erneut.

„Onkel Thomas“, murmelte Stefan und warf einen Blick auf die Uhr. „Ich hatte ihn gebeten, wegen des Gartengrundstücks vorbeizukommen…“

Brigitte wechselte im selben Moment die Maske. Ihr Gesicht glättete sich, sie strich sich die zerzausten Haare zurecht.

„Stefan, mach auf. Und du“, sie warf Laura einen giftigen Blick zu, „sieh zu, dass du halbwegs ordentlich aussiehst. Blamier die Familie nicht vor anderen Leuten.“

Laura wollte etwas erwidern, doch da stand Onkel Thomas bereits in der Tür: der Bruder des verstorbenen Schwiegervaters, ein immer noch kräftiger Mann mit wachen, spöttischen Augen und der Angewohnheit, seine Nase überall hineinzustecken.

„Na, hier ist ja Stimmung“, sagte er und ließ den Blick über die Scherben auf dem Boden gleiten. „Werden gerade wichtige Haushaltsfragen geklärt?“

Brigitte Hoffmann zwang sich zu einem Lächeln.

„Ach, nichts Besonderes. Komm rein, Thomas, ich mache Tee.“

Doch Onkel Thomas dachte gar nicht daran, so zu tun, als hätte er nichts bemerkt. Er trat zum Tisch, setzte sich und sah Laura aufmerksam an, deren Gesicht von Tränen und Fieber gerötet war.

„Was ist denn hier eigentlich los? Man konnte euch bis draußen hören.“

Da begriff Laura: Jetzt würde es erst richtig interessant werden.

„Überhaupt nichts Dramatisches“, sagte Brigitte hastig und eilte zum Wasserkocher. „Laura fühlt sich nur ein bisschen angeschlagen. Aber die Hausarbeit erledigt sich nun mal nicht von allein.“

„Ein bisschen angeschlagen?“ Onkel Thomas schnaubte skeptisch. „Und deshalb schreit ihr hier, als würde die Wohnung brennen?“

Laura spürte, wie ihr die Wangen heiß wurden. Es war beschämend, dass ein Außenstehender diese schmutzige Szene mitbekam. Aber schweigen konnte sie nicht mehr.

„Onkel Thomas“, sagte sie und setzte sich ihm gegenüber, „ich habe achtunddreißig Grad Fieber. Ich habe nur darum gebeten, das Einkochen auf morgen zu verschieben.“

„Und was soll daran so schlimm sein?“ Er zuckte mit den Schultern.

Brigitte hätte beinahe den Wasserkocher fallen lassen.

„Thomas! Du weißt doch, wie ich den Haushalt führe. Bei mir hat alles seine Ordnung, alles geschieht zur rechten Zeit! Und jetzt…“

„Jetzt ist deine Schwiegertochter krank“, unterbrach er sie. „Was dann? Geht davon die Welt unter?“

Stefan rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her. Zum ersten Mal seit Beginn des Streits sah er aus, als wäre ihm die Situation wirklich peinlich.

„Onkel Thomas, Mama macht sich nur Sorgen…“

„Sorgen, sagst du?“ Onkel Thomas zog seine Zigaretten hervor und zündete sich eine an, ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten. „Für mich sieht das eher nach einem Tobsuchtsanfall aus.“

Brigitte Hoffmann blieb mit einer Tasse in der Hand wie angewurzelt stehen. Mit dieser Wendung hatte sie offensichtlich nicht gerechnet.

„Was soll das heißen, Thomas?“