
„In Ihrem Haus? Wir haben die Hälfte der Wohnung abbezahlt!“ entgegnete Laura, der Geduldsfaden gerissen, das Gesicht vor Wut gerötet
Feiges Schweigen, herzlose Worte — unerträglich und ungerecht.
„Du undankbares Biest!“ Brigitte Hoffmann schleuderte die Tasse mit solcher Wucht auf die Küchenfliesen, dass die Scherben bis unter die Schränke sprangen. „Jetzt halt endlich den Mund! Befehle erteilen kannst du in deinem Kaff, aber hier bestimmen wir. Wir, und sonst niemand!“
Laura Friedrich stand mitten in der Küche, in einem feuchten Bademantel, die Haare wirr, die Hände zitternd vor Schwäche und Wut. Eben noch hatte sie versucht, ihrer Schwiegermutter ruhig zu erklären, weshalb sie heute unmöglich die Vorräte für den Winter einkochen konnte. Sie hatte Fieber, der Schädel pochte, als würde jemand von innen mit einem Hammer dagegen schlagen, und nun auch noch dieser Auftritt.
„Brigitte Hoffmann, ich sage doch, ich bin krank. Morgen mache ich es, wirklich, ich verspreche es…“
„Morgen!“ Die Stimme der Schwiegermutter kippte in ein schrilles Kreischen. „Bis morgen sind die Tomaten hinüber! Oder glaubst du, ich habe drei Kisten gekauft, damit sie hier zur Dekoration herumstehen?“
Stefan Meyer saß am Tisch und starrte auf sein Handy, als hätte er mit dem ganzen Theater nichts zu tun. Er hob nicht einmal den Blick, als seine Mutter das Geschirr zertrümmerte. Feigling, elender. Drei Jahre waren sie verheiratet, und noch immer hatte er nicht gelernt, seine Frau gegen die Angriffe seiner Mutter in Schutz zu nehmen.

„Stefan“, Laura wandte sich an ihren Mann, und in ihrer Stimme lag ein verzweifeltes Flehen, „sag ihr doch…“
„Zieh meinen Sohn nicht in eure weibischen Streitereien hinein!“ fuhr Brigitte Hoffmann dazwischen. „Und überhaupt: Was spielst du dich hier so auf? Du wohnst in meinem Haus, isst von meinem Tisch und tust, als hättest du hier irgendwelche Rechte!“
Da riss Laura der Geduldsfaden. Ihr schoss das Blut ins Gesicht, in den Schläfen begann es zu hämmern.
„In Ihrem Haus? Wir haben die Hälfte der Wohnung abbezahlt! Den Kredit zahlen wir immer noch!“
Brigitte verzog den Mund, als hätte sie in eine ganze Zitrone gebissen.
„Ach, abbezahlt? Wer denn bitte? Mein Sohn arbeitet, und was machst du? Du sitzt hübsch ordentlich im Büro herum und nennst das Leistung, du Nichtsnutz!“
„Mama, jetzt reicht es“, meldete sich Stefan endlich, doch so matt und kraftlos, dass es eher wie ein Pflichtgeräusch klang als wie Unterstützung.
„Gar nichts reicht!“ Die Schwiegermutter fuhr zu ihm herum. „Sieh dir an, was für eine Schlange du ins Haus gebracht hast! Dreißig Jahre habe ich dich allein durchgezogen, und dann taucht sie auf und führt sich vom ersten Tag an wie die Hausherrin auf!“
Hinter der Wand waren Stimmen zu hören. Bestimmt stand Sophie Vogel schon mit angelegtem Ohr an ihrer Wohnungstür. Sie liebte es, fremde Skandale später im Treppenhaus genüsslich auszubreiten.
Laura spürte, wie ihr übel wurde. Vielleicht vom Fieber. Vielleicht von dieser erbärmlichen Vorstellung, die sich gerade vor ihr abspielte.
„Wissen Sie was“, sagte sie und stützte sich an den Kühlschrank, „machen Sie Ihre Tomaten selbst. Ich lege mich jetzt hin.“
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