— Du hast einfach zu viel Leerlauf, deshalb erfindest du Probleme, wo keine sind, — schnitt er mir das Wort ab und ging Richtung Zimmer. — Ich gehe jetzt duschen. Hoffentlich hast du dich beruhigt, bis Mama da ist.

Die Badezimmertür fiel ins Schloss, kurz darauf rauschte Wasser. Ich blieb mitten im Flur stehen. Mein Herz hämmerte mir bis in den Hals. Genau in diesem Augenblick drang aus dem Schlafzimmer ein heller, schriller Schrei. Mia Meier war wach. Sie hatte gerade einmal fünfzehn Minuten geschlafen.

Die nächsten zwei Stunden wurden zu einem Albtraum. Mit einem Arm wiegte ich meine Tochter, mit der freien Hand versuchte ich aus ein paar Resten Gemüse, die ich in der Schublade fand, irgendetwas Brauchbares zu schneiden. Zum Einkaufen kam ich nicht. Mia Meier ließ mich keinen Schritt von sich weg, weinte, klammerte sich an mich und wollte ständig an die Brust. Jonas Huber kam frisch geduscht heraus, setzte sich an den Computer und versank in seinen eigenen Angelegenheiten. Als ich ihn bat, das Kind kurz zu nehmen, wehrte er nur ab: „Sie will zu dir. Bei mir schreit sie nur.“

Punkt vier Uhr nachmittags klingelte es. Laut, energisch, als würden mehrere Hände gleichzeitig auf den Klingelknopf drücken.

Im Flur brach sofort ein Durcheinander aus: Stimmen, Gelächter, der Geruch fremden Parfüms und feuchter Straßenluft. Meine Schwiegermutter, Magdalena Bauer, schob mich gleich an der Tür ohne jede Zurückhaltung mit der Schulter beiseite und rief mit kräftiger Stimme:

— Jonas Huber! Mein Junge! Komm, begrüß deine Gäste!

Hinter ihr strömten die anderen herein. Die drei Kinder von Jonas Hubers Schwester stürzten sich sofort auf ihre Schuhe, rissen sie von den Füßen und ließen Jacken achtlos auf den Boden fallen. Onkel Leon Lange, ein massiger Mann in schweren Stiefeln, hustete laut durch den Flur.

— Ach, warum ist es denn hier so still? — Magdalena Bauer steckte den Kopf in die Küche. — Emilia Peters, wo ist denn alles? Habt ihr etwa nicht mit uns gerechnet? Jonas Huber hat gesagt, du seist zu Hause und würdest den Tisch vorbereiten.

Ich öffnete den Mund, um wenigstens eine Begrüßung herauszubringen.

— Hallo, — brachte ich leise hervor und drückte Mia Meier fester an mich, die bei dem ganzen Lärm erschrocken erstarrt war. — Jonas Huber hat es mir erst vor zwei Stunden gesagt. Ich konnte beim besten Willen nichts mehr vorbereiten.

Da stürmte Jonas Huber aus dem Zimmer, strahlend, als wäre gerade etwas Großartiges geschehen.

— Mama! Papa! Kommt rein! — Er fiel seinen Verwandten nacheinander um den Hals. — Emilia Peters hat es nicht ganz geschafft, aber macht nichts, wir bekommen schon etwas auf den Tisch.

— Nicht geschafft? — Nicole Engel, seine Schwester und Mutter von drei Kindern, musterte mich mit unverhohlenem Tadel. — Du bist doch den ganzen Tag zu Hause. Und du hast nur ein einziges Kind. Ich habe mit meinen drei Mädchen früher immer drei Salate und ein warmes Essen fertigbekommen, wenn Besuch kam.

— Nicole, Kinder sind nicht alle gleich, — versuchte ich mich zu rechtfertigen, während mir die Tränen bereits in die Augen stiegen. — Mia schläft kaum, weil sie zahnt.