
„Frauen bekommen so etwas immer hin“ — sagte er abweisend, während sie mit einem zahnenden Baby und einem leeren Kühlschrank verzweifelt zurückblieb
Diese respektlose Unverschämtheit verletzt mich zutiefst.
— Jonas Huber, leg bitte auf, — ich griff nach dem Geschirrtuch und schleuderte es auf den Tisch. — Beende das Gespräch und sag mir, dass das nur ein schlechter Scherz war.
Jonas Huber blinzelte irritiert, das Smartphone noch immer ans Ohr gepresst. Auf dem Display stand der Name seiner Mutter.
— Mama, warte kurz, — murmelte er ins Telefon und sah dann zu mir hinüber. — Emilia Peters, warum regst du dich denn so auf? Sie sind schon aus dem Umland losgefahren. In zwei Stunden stehen sie hier.
— Zwölf Leute, Jonas Huber! — meine Stimme kippte zu einem heiseren Flüstern, weil unsere sieben Monate alte Tochter im Nebenzimmer gerade erst eingeschlafen war. — Deine Eltern, deine Schwester mit ihrem Mann und drei Kindern, dein Onkel Leon Lange mit seiner Frau… Sie sind unterwegs? Und niemand kam auf die Idee, mich vorher zu fragen?
— Jetzt stell dich nicht so an, das ist schließlich meine Familie, — winkte Jonas Huber ab und wandte sich wieder dem Telefon zu. — Ja, Mama, alles gut. Wir freuen uns. Ja, Emilia Peters wird schon irgendwas zaubern. Fahrt vorsichtig, ja?

Er tippte auf Auflegen und ging, als sei nichts geschehen, zum Kühlschrank.
— Jonas Huber, der Kühlschrank ist leer! — vor Kränkung und Hilflosigkeit musste ich mich zusammenreißen, um nicht loszuweinen. — Da liegen drei Eier drin und eine halbe Packung Kefir. Ich wollte heute Abend erst Lebensmittel bestellen. Woraus soll ich denn für eine ganze Horde Essen machen?
— Emilia Peters, fang bitte nicht schon wieder an, — verzog mein Mann das Gesicht und holte eine Flasche Mineralwasser heraus. — Du bist doch zu Hause in Elternzeit, du hast den ganzen Tag nichts anderes zu tun. Koch halt für meine Verwandten. Ist das so schwer? Geh schnell in den Supermarkt um die Ecke. Kartoffeln kochen, ein Hähnchen in den Ofen, fertig. Frauen bekommen so etwas immer hin. Meine Mutter hat ihr Leben lang Tafeln für dreißig Personen gedeckt und nie gejammert.
— Deine Mutter musste aber nicht mit einem zahnenden Baby allein klarkommen, das seit drei Nächten höchstens zwanzig Minuten am Stück schläft! — Ich trat dicht vor ihn, während in mir eine dumpfe, gefährliche Wut hochstieg. — Ich habe in dieser ganzen Woche vielleicht insgesamt zwölf Stunden geschlafen. Welche Kartoffeln? Welches Hähnchen?
— Ach komm, übertreib doch nicht, — seufzte Jonas Huber und warf einen Blick auf die Uhr. — Mia Meier schläft doch, oder? Also hast du Zeit. Ich verdiene hier übrigens das Geld, Emilia Peters. Ich bin nach der Arbeit auch müde. Von dir wird nur erwartet, dass du ein bisschen gastfreundlich bist. Das sind meine Angehörigen, ich habe sie seit einem halben Jahr nicht gesehen. Soll ich mich etwa ihretwegen für deine Ausraster schämen?
— Heißt das, wie es mir geht, interessiert dich überhaupt nicht? — Ich starrte den Mann an, mit dem ich seit vier Jahren zusammenlebte, und erkannte ihn kaum wieder. — Mir geht es schlecht, Jonas Huber. Ich bin körperlich völlig am Ende.
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