Auch die Renovierung war am Ende meine Angelegenheit. Vor anderthalb Jahren hatten wir beschlossen, die Wohnung endlich in einen Zustand zu bringen, in dem man nicht bei jedem Blick auf den Boden innerlich seufzte. Wir ließen den alten Belag austauschen, machten das Bad, strichen die Wände im Flur und bestellten einen Schrank. Fast 3.500 Euro steckte ich hinein. Michael Hermann gab 250 Euro dazu und lief danach herum wie ein Mann, der den entscheidenden Beitrag zum Wiederaufbau einer zerstörten Stadt geleistet hatte. Eine Woche lang erzählte er seinen Freunden am Telefon: „Wir haben hier ordentlich renoviert.“ Wir. Ein schönes Wort. Praktisch. Darin lassen sich fremdes Geld, fremde Nerven und fremde Abende im Baumarkt wunderbar verstecken.

Ich kaufte ihm Hemden, weil er sonst in einem zur Arbeit gegangen wäre, dessen Kragen längst um Pension gebeten hatte. Ich schenkte ihm ein neues Telefon, als sein altes sich bei Kälte ständig ausschaltete. Ich bezahlte ihm sogar Fortbildungskurse für Fahrzeugdiagnose, die Michael Hermann selbst ausgesucht hatte, begeistert, mit glänzenden Augen. Vier Unterrichtsstunden hielt er durch. Dann erklärte er, der Dozent sei „anstrengend“, der Stoff „nicht das Richtige“ und überhaupt sei gerade ein ungünstiger Zeitpunkt. Der Laptop, angeschafft „fürs Lernen“, wanderte ins Regal und begann Staub zu sammeln. Manchmal wischte ich ihn ab und dachte dabei, dass Staub wenigstens nicht so tut, als wäre er nützlich.

Meine Schwiegermutter, Helena Vogel, tauchte ungefähr alle zwei Wochen bei uns auf. Sie wohnte im Nachbarviertel, in einem alten Mehrfamilienhaus mit einem Aufzug, der nach Katzen und gekochtem Kohl roch. Entweder kam sie ohne Ankündigung, oder sie rief zehn Minuten vorher an: „Ich bin gleich da, stell schon mal den Wasserkocher an.“ Sie brachte stets etwas Symbolisches mit — ein Glas Gewürzgurken, ein halbes Kilo Kekse, eine Tüte Zwiebeln. Und jedes Mal begann sie, sobald sie am Tisch saß, mit ihrer Inspektion des Geländes.

— Die Handtücher im Bad sind irgendwie hart. Michael Hermann mochte so etwas schon als Kind nicht.

— Die Suppe ist ziemlich dünn. Für einen Mann muss der Löffel stehen bleiben.

— Auf der Fensterbank liegt Staub. Du bist doch eine Frau, Laura.

Ich lächelte meistens. Nicht, weil ich eine Heilige war, sondern weil ich schon im Voraus müde wurde. Michael Hermann verschwand in solchen Momenten. Körperlich saß er vielleicht neben mir, kaute Kekse, scrollte auf dem Handy herum, aber innerlich zog er sich in einen so dichten, fernen Nebel zurück, dass man ihn nicht mehr erreichen konnte. Wenn ich später fragte: „Hast du gehört, was deine Mutter gesagt hat?“, verzog er das Gesicht.

— Fang bitte nicht wieder damit an. Sie meint es doch nicht böse.

Menschen, die angeblich nichts böse meinen, können erstaunlich grausame Dinge tun.

Ich hatte mich an sein Verschwinden gewöhnt. Michael Hermann war angenehm, solange er nicht Stellung beziehen musste. Solange Ruhe herrschte, solange das Abendessen auf dem Tisch stand, solange mein Gehalt pünktlich kam und seine Mutter zufrieden war, konnte er durchaus lieb sein: Brot mitbringen, eine Steckdose reparieren, mich in der Küche umarmen, sagen, ich hätte mich völlig aufgerieben. Aber sobald ein Konflikt auftauchte, wurde er leer. Wie eine Werbetafel, von der man das Plakat abgerissen hat: Das Gestell steht noch, doch die Bedeutung ist weg.