„Wir reden seit einem Monat darüber. Du findest tausend Gründe dagegen, aber keinen einzigen Vorschlag, der wirklich funktioniert. Währenddessen kann meiner Mutter jederzeit etwas passieren. Das werde ich nicht zulassen.“
Sophie spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Wochenlang hatte sie ruhig argumentiert, Alternativen gesucht, Kompromisse angeboten. Und nun stellte Lukas sie einfach vor vollendete Tatsachen.
„Und wann genau soll dieser Umzug stattfinden?“, fragte sie mit eisiger Stimme.
„Nächste Woche. Ich habe schon mit ein paar Freunden gesprochen, sie helfen beim Transport. Wir räumen ein Zimmer für sie frei, dann kann sie sich dort einrichten.“
Sophie hob langsam den Kopf. „Welches Zimmer meinst du?“
„Das Zimmer mit dem Fernseher?“, fragte Sophie Wagner und stand auf. „Dort arbeite ich. Da stehen mein Computer, meine Unterlagen, meine Bücher.“
„Dann stellst du eben alles ins Schlafzimmer“, erwiderte Lukas Schneider, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. „Platz wird sich finden.“
Sophie sah ihn an, als müsse sie prüfen, ob er das wirklich ernst meinte. „Lukas, hörst du dir eigentlich selbst zu? Du verteilst in meiner Wohnung Räume, als gehörte sie dir allein. Du fragst mich nicht, du übergehst meine Bedürfnisse, du entscheidest einfach über meinen Alltag.“
„Das ist unser Zuhause, Sophie. Unser gemeinsames Zuhause.“
„Nein“, sagte sie leise, aber jedes Wort saß fest. „Es ist mein Zuhause. Die Wohnung läuft auf meinen Namen. Ich zahle die Nebenkosten. Die Renovierung habe ich finanziert, nachdem ich den Schmuck meiner Mutter verkauft hatte. Du bist hier gemeldet, ja. Aber das macht dich nicht zum Eigentümer.“
Lukas wurde blass. So deutlich hatte Sophie es noch nie ausgesprochen. Natürlich, rein rechtlich gehörte die Wohnung ihr. Trotzdem hatte er sie immer als gemeinsames Heim betrachtet. Sie waren schließlich verheiratet, Mann und Frau, eine Familie.
„Du willst also meine kranke Mutter auf die Straße setzen, nur wegen irgendwelcher Formalitäten?“
„Ich will mein Zuhause davor schützen, dass jemand ohne meine Zustimmung hier einzieht. Wenn dir die Wünsche deiner Mutter wichtiger sind als meine Meinung und mein Wohlbefinden, dann zieh daraus deine Schlüsse.“
„Was für Schlüsse?“
„Miete eine Wohnung für dich und deine Mutter. Du verdienst genug. Dann könnt ihr leben, wie ihr es für richtig haltet, euch umeinander kümmern und alles so regeln, wie ihr wollt. Nur eben ohne mich.“
Er starrte sie fassungslos an. „Heißt das, du drohst mir mit Scheidung?“
„Ich drohe nicht. Ich stelle fest, was ist. Wenn die Meinung deiner Frau für dich nichts zählt, wenn du bereit bist, mein Leben über den Haufen zu werfen, nur weil du einen Plan gefasst hast, dann frage ich mich, welchen Sinn diese Ehe noch haben soll.“
Lukas wusste nicht, was er sagen sollte. Mit einer derart entschlossenen Antwort hatte er von seiner sonst ruhigen, nachgiebigen Frau nicht gerechnet. Er war überzeugt gewesen, sie werde am Ende schon einlenken, so wie sie es früher oft getan hatte.
„Sophie, jetzt beruhig dich doch. Wir lieben uns. Willst du wegen so etwas wirklich unsere Familie kaputtmachen?“