Geschichte
„Nimm sofort die Hand vom Handy! Das ist mein Geld, hast du das verstanden?!“ schrie Anna, als Leon im Begriff war, eine beträchtliche Summe an seine Mutter zu überweisen

„Nimm sofort die Hand vom Handy! Das ist mein Geld, hast du das verstanden?!“ schrie Anna, als Leon im Begriff war, eine beträchtliche Summe an seine Mutter zu überweisen

Egoistisch, treulos — ein erschütternder Vertrauensbruch.

1 888 Leser 9 Seiten ~3 Min.

„Nimm sofort die Hand vom Handy! Das ist mein Geld, hast du das verstanden?!“, schrie ich, als mein Mann gerade im Begriff war, eine beträchtliche Summe an seine Mutter zu überweisen.

Anna Krause legte Monat für Monat fünfzig Euro beiseite. Manchmal wurde es auch etwas mehr, wenn sie irgendwo sparen konnte oder zusätzliche Schichten übernahm. Langsam, aber beharrlich wuchs das Guthaben an — inzwischen seit vier Jahren. Auf diese Weise waren bereits zweitausendvierhundert Euro zusammengekommen. Dieses Geld sollte eines Tages als Anzahlung für eine eigene Wohnung dienen.

Während all dieser Jahre lebte Anna mit ihrem Mann Leon Baumann in der Dreizimmerwohnung seiner Eltern. Der Schwiegervater, Maximilian Hermann, und die Schwiegermutter, Elisabeth Kraus, hatten dem jungen Paar ein Zimmer überlassen. Sie selbst drängten sich im Schlafzimmer zusammen, während das dritte Zimmer allen als gemeinsames Wohnzimmer diente. Anfangs hatte es geheißen, diese Wohnsituation sei nur eine Übergangslösung — vielleicht für ein Jahr, höchstens zwei. Doch die Zeit verging, und von einer eigenen Wohnung waren Anna und Leon noch immer weit entfernt.

Anna arbeitete als Empfangskraft in einer privaten Klinik. Ihr Gehalt war nicht hoch, dafür aber verlässlich. Leon verdiente sein Geld als Fahrer bei einer Spedition. Sein Einkommen fiel zwar meist besser aus als ihres, kam jedoch unregelmäßig: Mal gab es eine Prämie, mal verzögerte sich die Auszahlung. Deshalb stammte der größte Teil der Ersparnisse letztlich aus Annas Lohn.

Das Geld lag auf einem gesonderten Konto, das Anna eigens für diesen Zweck eröffnet hatte. Die Bankkarte bewahrte sie zu Hause in einer kleinen Schmuckschatulle auf, und die PIN kannte niemand außer ihr. Nicht einmal Leon. Insgeheim hatte Anna vor, die künftige Wohnung auf ihren eigenen Namen eintragen zu lassen — zur Sicherheit, falls das Leben einmal anders laufen sollte als geplant. Eine Arbeit konnte man verlieren, dachte sie, doch eine Immobilie blieb.

Leon wusste von dem Ersparten. Hin und wieder fragte er, wie viel inzwischen zusammengekommen sei, und lobte Anna dafür, dass sie so diszipliniert war. Allerdings fügte er jedes Mal hinzu:

„Gut, dass wir Familienkapital ansammeln. Zusammen wird es leichter, eine Wohnung zu kaufen.“

Anna nickte dann meistens, doch innerlich widersprach sie ihm. Sie war es, die das Geld zurücklegte. Sie war es, die auf vieles verzichtete, sparsam lebte und sich jeden unnötigen Einkauf verkniff. Leon hingegen gab seinen Verdienst häufig für sich selbst aus: neue Werkzeuge, Treffen mit Freunden im Café oder andere Dinge, die ihm gerade wichtig erschienen. Für Anna stand fest: Diese Rücklage gehörte ihr allein.

Erschwert wurde das Zusammenleben zusätzlich durch ihre Schwiegermutter. Elisabeth Kraus war achtundfünfzig, voller Energie und redete gern und viel. Sie mischte sich ständig in die Angelegenheiten des jungen Paares ein. Einmal erklärte sie Anna, wie man ein Gericht „richtig“ kochte, ein anderes Mal wies sie auf Unordnung im Zimmer hin oder fand irgendeinen neuen Grund, sich zu beschweren.

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