„Was soll dieser…“

Sie antwortete nicht. Leon wechselte bereits zur nächsten Datei.

Nun erschien ein jüngerer Sebastian auf dem Bildschirm. Dünn, in einem zerknitterten Hemd. Er stand bei den Garagen, die Matthias Huber ihm damals überlassen hatte, und hielt ein Schnapsglas in der Hand. Es war der Hochzeitstag; im Hintergrund war ein Festzelt zu sehen, Musik drang herüber. Zwei seiner Freunde standen neben ihm.

„Ich liebe sie nicht, kein bisschen“, sagte Sebastian und kippte den klaren Schnaps hinunter. „Aber ihr Vater hat Kontakte in der Stadtverwaltung und Grundstücke. Zehn Jahre halte ich das aus, bis ich auf eigenen Beinen stehe. Danach suche ich mir eine richtige Frau. Nicht diese Apothekerin.“

Seine Freunde brüllten vor Lachen. Sebastian schenkte sich nach.

Matthias Huber stand langsam auf. Sein Gesicht war grau geworden, die Lippen fest zusammengepresst. Er sah lange auf die Leinwand, dann zu seinem Schwiegersohn.

„Sebastian“, sagte er leise. „War das dein Ernst?“

Sebastian zuckte zusammen und setzte zu einer Antwort an, doch Leon hatte schon das nächste Video gestartet. Dokumente erschienen. Kreditverträge. Kontoauszüge. Alles in Großaufnahme. Jede Einzelheit war zu erkennen: wie Sebastian Darlehen auf Sophias Firma aufgenommen, Geld auf Lias Konten überwiesen und vorbereitet hatte, seine Frau mit den Schulden zurückzulassen.

„Kopien liegen beim Finanzamt“, sagte Sophia Lange leise.

„Und bei meinem Anwalt“, ergänzte sie, nicht laut, aber klar genug, dass es bis in die hinterste Ecke des Saals drang. „Die Garagen, die Grundstücke, der gesamte Fuhrparkbetrieb — alles läuft auf meinen Namen. Du, Sebastian Baumann, warst lediglich der Verwalter. Und damit ist jetzt Schluss. Die Kredite gehören dir. Die Schulden ebenfalls. Das Unternehmen bleibt in der Familie. In meiner Familie.“

Sie erhob sich und trat auf ihn zu. Sebastian wich unwillkürlich einen Schritt zurück.

„Hast du wirklich geglaubt, ich merke nichts?“ Sophia Lange sprach ruhig, doch jedes einzelne Wort traf wie ein Hieb. „Ein halbes Jahr lang habe ich zugesehen, wie du deine Pläne schmiedest. Wie du dieses Mädchen in mein Haus schleppst, während ich arbeite. Wie du mit ihr darüber redest, was ich angeblich wert bin. Die ganze Zeit habe ich geschwiegen und Beweise gesammelt. Weil ich wusste, dass du genau diesen Tag wählen würdest. Meinen Geburtstag. Vor allen. Damit du mich kleinmachen kannst. Damit alle sehen, wie mächtig du dich fühlst.“

Sebastian öffnete den Mund, aber kein Laut kam heraus.

„Und jetzt verschwinde“, sagte Sophia. „Aus diesem Saal. Aus meinem Leben. Und Lia Meyer kannst du ausrichten, dass der Betriebshof keine Bewerbungen mehr von ihr annimmt.“

Sebastian machte einen Ruck in Richtung Ausgang, doch Matthias Huber stellte sich ihm in den Weg. Ohne ein Wort. Er stand einfach nur da und sah ihn an. Sebastian ballte die Fäuste, senkte dann den Blick und stürmte zur Tür. Hinter ihm pfiff jemand. Eine Stimme rief: „Schäm dich!“ Dann knallte die Tür ins Schloss.

Im Saal kam Bewegung auf. Erst zaghaft, dann immer lauter. Jemand trat zu Sophia und drückte ihr die Hand. Mehrere Frauen umringten sie, redeten durcheinander, wollten sie trösten. Sie nahm es nur halb wahr. Ihr Blick blieb an dem Ring hängen, der auf dem Tisch lag. Klein war er, abgetragen, unscheinbar. Fünfzehn Jahre hatte sie ihn am Finger getragen — und plötzlich schien es, als habe er nie etwas bedeutet.