„Nein“, sagte Laura. „Ich arbeite mit Zahlen. Sieh dir das an: Eure Firma hat im vergangenen Jahr Baumaterialien im Gesamtwert von zwei Millionen Euro eingekauft.“

Dabei lagen eure Einkaufspreise im Schnitt drei bis vier Prozent über dem marktüblichen Niveau. Das ergibt eine Überzahlung von ungefähr sechzig- bis achtzigtausend Euro. Und wenn man annimmt, dass zwanzig Prozent dieser Differenz als Rückvergütung bei dir landen…“

„SCHLUSS JETZT!“, brüllte Andreas Krüger. „Was willst du von mir?“

Laura klappte den Laptop zu und sah ihren Mann ruhig, fast prüfend an.

„Gerechtigkeit. Eine Scheidung ohne Bedingungen und ohne Spielchen. Die Wohnung bleibt bei mir und Mia Köhler — sie gehört ohnehin mir. Unterhalt für das Kind: fünfundzwanzig Prozent deines offiziellen Einkommens, genau wie es das Gesetz vorsieht. Und deine Mutter zieht nicht in meine Wohnung ein.“

„Und wenn ich mich weigere?“

„Dann bekommt nicht nur das Gericht meine Berechnungen. Dann landen sie auch auf dem Schreibtisch eures Geschäftsführers. Konrad Bergmann legt doch so großen Wert auf saubere Finanzen. Oder hast du vergessen, wie er Theo Roth hinausgeworfen hat, weil der dreißig Euro aus der Kasse genommen hatte?“

Andreas sprang auf. Rastlos lief er im Zimmer auf und ab, als suchte er einen Ausgang aus einer Falle, die sich längst geschlossen hatte.

„Du machst mich fertig! Ich habe einen Job, einen Namen, eine Mutter…“

„Deine Mutter erhält für ihre Wohnung in Feldafing ihre hundertzwanzigtausend Euro und kann damit anständig leben. Vorausgesetzt natürlich, du nimmst ihr das Geld nicht weg. Genau das war doch dein Plan, oder? Ihre Wohnung verkaufen, das Geld für dich und Sophia Peters beiseiteschaffen und Elisabeth Braun anschließend in meine Wohnung setzen. Hübsch ausgedacht. Nur wird daraus nichts.“

In diesem Moment klingelte es. Andreas zuckte zusammen.

„Wer ist das?“

„Deine Mutter“, antwortete Laura gelassen und erhob sich. „Ich habe sie zum Tee eingeladen. Und ich möchte ihr etwas erklären.“

„NEIN!“ Andreas stürzte zur Tür, doch Laura war schneller und öffnete bereits.

Elisabeth Braun trat ein und zog sich im Flur den Mantel aus.

„Laura, mein Kind, wie nett, dass du mich eingeladen hast! Andreas, du bist auch da? Ach, wie schön!“

„Mama, vielleicht ist jetzt nicht der beste Moment…“, setzte Andreas an.

Laura schnitt ihm ruhig das Wort ab.

„Elisabeth Braun, kommen Sie bitte ins Wohnzimmer. Es geht um eine wichtige Angelegenheit. Um Ihre Wohnung in Feldafing.“

Die ältere Dame hob erstaunt die Brauen.

„Meine Wohnung? Was soll damit sein?“

„Andreas behauptet, sie solle für hundertzwanzigtausend Euro verkauft werden.“

„VERKAUFT?!“ Elisabeth Braun presste die Hände gegeneinander. „Ich wohne dort mein ganzes Leben! Meine Freundinnen sind dort, mein Strickkreis, meine vertraute Arztpraxis gleich um die Ecke! Andreas, was ist das für ein Unsinn?“

Andreas wurde dunkelrot.

„Mama, ich wollte nur… das ist ein Missverständnis…“

„Nein“, sagte Laura und nahm Unterlagen aus der Mappe. „Hier ist die Kopie eines Vorvertrags über den Verkauf Ihrer Wohnung. Die Unterschrift ist gefälscht, aber sie sieht Ihrer Handschrift sehr ähnlich, Elisabeth Braun. Andreas hat sich offenbar Mühe gegeben. Vermutlich hat er vorher geübt.“