
„Die Wohnung bekommst du nach der Scheidung, aber einziehen wird meine Mutter“, sagte ihr Mann und verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen
Unglaublich feige, kalt berechnend — zutiefst ungerecht.
„Die Wohnung bekommst du nach der Scheidung, aber einziehen wird meine Mutter“, sagte ihr Mann und verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen.
Laura König legte den Taschenrechner, mit dem sie eben noch die Haushaltsausgaben durchgegangen war, langsam zur Seite. Im Wohnzimmer wurde es so still, dass es beinahe klingelte. Draußen lag helles Märzlicht über den Dächern von München, doch im Raum herrschte Dämmerung. Andreas Krüger hatte vor dem Gespräch absichtlich die Vorhänge zugezogen.
„Wie bitte? Deine Mutter soll in MEINER Wohnung wohnen?“ Laura zog die Unterlagen aus der Mappe. „Andreas, hörst du eigentlich selbst, wie absurd das klingt?“
Er lehnte sich im Sessel zurück und schlug gelassen ein Bein über das andere.
„Das ist ein völlig vernünftiger Vorschlag. Auf dem Papier gehört die Wohnung dir, ganz offiziell. Aber Mama ist nicht mehr jung, sie braucht Betreuung. Ich komme dann täglich vorbei, sehe nach ihr, helfe ihr. Praktisch, oder? Du bekommst, was dir rechtlich zusteht, und meine Mutter bleibt in unserer Nähe.“

Laura betrachtete sein Gesicht aufmerksam. Fünfzehn Jahre Ehe hatten sie gelehrt, zwischen den Zeilen zu lesen. Andreas verschwieg etwas. Und dieses Etwas roch eindeutig nach Geld.
„Elisabeth Braun kommt in ihrer eigenen Zweizimmerwohnung in Feldafing ausgezeichnet zurecht“, sagte Laura ruhig. „Sie ist zweiundsiebzig, geht zum Nordic Walking und leitet im Kulturzentrum einen Strickkurs. Von welcher Pflegebedürftigkeit redest du also?“
„Das geht dich nichts an!“, fuhr Andreas auf. „Ich habe es so entschieden. Punkt. Du unterschreibst die Scheidungsvereinbarung mit dieser Bedingung, sonst bekommst du gar nichts. Dann ziehe ich den Prozess jahrelang in die Länge, schicke dich von einem Gerichtstermin zum nächsten, bis du aufgibst.“
Laura nahm ihr Notizbuch und begann zu schreiben. Andreas zuckte nervös zusammen.
„Was kritzelst du da?“
„Ich rechne“, antwortete sie knapp. „Dein Gehalt als leitender Manager in einer Baufirma: erst 1.600 Euro, später 1.800 Euro im Monat. Mein Einkommen als leitende Volkswirtin: 900 Euro. In fünfzehn Ehejahren habe ich in die Familienkasse eingezahlt…“
„Na und? Wen interessiert das?“ Andreas sprang aus dem Sessel. „Drei Jahre hast du überhaupt nicht gearbeitet, als Mia klein war!“
„Zwei Jahre und sieben Monate“, korrigierte Laura ihn. „Und selbst während der Elternzeit habe ich nebenbei für drei Selbstständige die Buchhaltung gemacht. Das waren 300 Euro monatlich. Jede Quittung ist vorhanden, jede Überweisung dokumentiert.“
„Du bist doch krank mit deinen Zahlen!“ Er lief unruhig durchs Zimmer. „Welche Quittungen, welche Überweisungen? Wir waren eine FAMILIE!“
„Ja“, sagte Laura. „Genau deshalb habe ich jeden Cent festgehalten. Weißt du, wie oft deine Mutter sich bei uns Geld ‚geliehen‘ und es nie zurückgezahlt hat? Siebenunddreißigmal. Insgesamt 8.430 Euro.“
Andreas blieb mitten im Raum stehen. Sein Gesicht lief dunkelrot an.
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